Die Geschichte der Mark Brandenburg bis zum 30-jährigen Krieg

 

Das heutige Bundesland Brandenburg mit seinen etwa 2,5 Millionen Einwohnern umfaßt historisch gesehen weniger als die Hälfte des Gebietsstandes vor 1815 und etwa 65% des Gebietsstandes vor 1945.

Die Landschaften der Mark Brandenburg sind fast ausschließlich eis- und nacheiszeitlichen Ursprungs. Moränen haben flache, mit ausgedehnten Wäldern bedeckte Hügellandschaften geschaffen, wie beispielsweise den Fläming oder die Märkische Schweiz. Urstromtäler und viele Flußniederungen bilden weite Ebenen mit Fließ- und Luchlandschaften. Vor allem aber zeichnen sich Brandenburgs Landschaften durch ihren großen Seenreichtum aus. Mit über 3000 großen und kleinen Seen gehört das Land zu den wasserreichsten Landschaften Europas. Dies hat von Anbeginn in hohem Maße Einfluß auf die Siedlungsgeschichte und die Städtegründungen der Mark Brandenburg gehabt.

Ursprünglich wurde Brandenburg von den germanischen Semnonen, Langobarden und Burgundern bewohnt. Nach der Völkerwanderung wurde das Land im 7. Jahrhundert von verschiedenen slawischen Stämmen besetzt, in alten Chroniken oft als Wenden bezeichnet. Sie benötigten die zahlreichen Flüsse und Seen für ihr Vieh. Vom Ufer aus rodeten sie Lichtungen in den Wald und legten Felder an.

Brennabor (Brandenburg), aber auch Spandow (Spandau; heute Bezirk von Berlin) bildeten die Zentren des Stammes der Heveller. Östlich von ihnen, getrennt durch einen breiten Waldgürtel, lebten an der Spree die Sprewanen mit ihrem politischen Zentrum Köpenick (heute ebenfalls nach Berlin eingemeindet). Bis ins frühe 11. Jahrhundert blieben diese im 9. Jahrhundert befestigten Burgsiedlungen die größten Zentren. Gerade Spandow, wo sich Spree und Havel vereinigen, lag strategisch und verkehrstechnisch sehr günstig.

Karl der Große errichtete rund um sein gewaltiges Reich Marken, die sein Reich sichern sollte. Gegen die Slawen östlich der Elbe führte er 789 und 808/809 Krieg und es gelang ihm, sie in eine lose Abhängigkeit zu zwingen. In Friedenszeiten entwickelte sich aber gerade in diesen Grenzmarken ein lebhafter Handel mit den slawischen Stämmen mit Magadoburg (Magdeburg) als wichtigem Handelsplatz.

Die Ostpolitik der deutschen Herrscher wandelte sich allmählich. Wurden in früheren Zeiten eher slawische Übergriffe abgewehrt, wurden nun klare Kolonisationsstrategien gegen die stets unruhigen Elbslawen angewendet. Im Winter 928/29 eroberte König Heinrich I Brennabor, den auf einer Insel gelegenen Fürstensitz der Heveller. Burg und Siedlung haben dem Land später den Namen gegeben. Bei Heinrichs Tod 936 waren alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder unterworfen. Sein Sohn Otto I bemühte sich, die deutsche Herrschaft mit Hilfe der Kirche weiter zu festigen. Hierzu gründete er mehrere Missionsbistümer im noch heidnischen Land, so 946 das Bistum Havelberg, und 948 wurde das Bistum Brandenburg gestiftet. In dieser Urkunde wurde Brandenburg in der Schreibweise Brendanburg erstmalig erwähnt. Das 968 gestiftete Erzbistum Magdeburg war als kirchliches Zentrum für die Gebiete östlich der Elbe vorgesehen, sie waren zuvor dem Erzbistum Mainz unterstellt. Die Missionierung der Slawen erreichte die Oder.

Schon 932 und 955 war es zu Slawenaufständen gekommen, die aber immer wieder blutig niedergeschlagen wurden. 983 erhoben sich die Slawen erneut, und das Land östlich der Elbe ging dem Christentum und der deutschen Herrschaft wieder verloren. Die Stämme der Heveller und Abodriten drangen sogar bis über die Elbe vor und zerstörten Hamburg.

Havelberg heute

Über die natürliche Elbgrenze hinweg tobten fortan zahllose Kriegszüge, ohne daß eine Seite dauerhafte Eroberungen für sich verbuchen konnte. Erst seit der Mitte des 12. Jahrhunderts versuchten verschiedene deutsche Territorialherren, wirklich eine deutsche Landesherrschaft zu errichten. Der sogenannte Wendenkreuzzug von 1147 kann als ein Indiz dafür gelten.

1134 vergab Kaiser Lothar III dem Askanierfürsten Albrecht von Ballenstedt, der Bär (* um 1100) den deutsch gebliebenen Teil der Markgrafschaft (Altmark oder auch Nordmark). Bei den Askaniern handelte es sich um ein bedeutendes mitteldeutsches Adelsgeschlecht, benannt nach der lateinischen Bezeichnung ihres Burgsitzes in Aschersleben (Ascharia) aus dem schwäbisch-fränkischen Raum, das seit dem 10. Jahrhundert in Sachsen (nordöstlich des Harzes) ansässig war.

Modell der ehemaligen Stammburg der Askanier auf dem Schloßberg in Ballenstedt

Albrecht eroberte die Gegend um Prignitz und das Havelland und zog gegen den Pommernherzog Ratibor, der sich darauf 1149 taufen ließ. Viele slawische Herrscher versuchten sich in dieser Zeit den Schutz des Reiches zu sichern, indem sie zum Christentum übertraten.

Albrecht der Bär wie der Historismus ihn sah - Zitadelle Spandau, Berlin

Auch der in Burg und Siedlung Brandenburg residierende slawische Fürst Pribislaw hatte sich dem christlichen Glauben zugewendet und stand den Bestrebungen Albrechts nicht feindlich gegenüber. Nach seinem Tode (1150) erbte Albrecht sein Land mit der Grenzfeste Spandau, die das Land gegen Osten, insbesondere gegen den in Köpenick residierenden Slawenfürst Jaxa (Jocza) sichern sollte. Aber erst 1157 konnte sich Albrecht gegen den sprewanischen Fürsten durchsetzen und das Erbe antreten. Die Grenze verlief nun an der Havel von Spandau bis zur Burg Bötzow (Oranienburg). Albrecht verlegte seinen Sitz in die Feste Brandenburg und nannte sich fortan Markgraf von Brandenburg. Die Stadt Brandenburg, die älteste der Mark, sollte im 13. Jh. zu höchster Blüte gelangen und bis ins 15. Jh. hinein der wichtigste Ort der Mark bleiben. Aber auch Spandau entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren im brandenburgischen Raum. Albrecht starb 1170. Eine neuzeitliche Statur von ihm mit vorgestrecktem Kreuz in der rechten Hand ist noch heute in der Zitadelle Spandau (Berlin) zu sehen.

Siegel von Markgraf Albrecht mit Lehnsfahne, Schild mit sog. Lilienhaspel. Quelle: Werner Vogel, Berlin und seine Wappen, 1987 Berlin, Ullstein Verlag

Sein Sohn Otto I festigte und vergrößerte das Erbe seines Vaters. Ein wichtiges Werkzeug zur Sicherung des gewonnenen Territoriums war die planmäßige Besiedlung. Das weitgehend entvölkerte Land wurde eingedeutscht, man holte wie auch in späteren Zeiten gezielt Siedler ins Land, vor allem aus dem askanischen Harzgebiet und dem Niederrheingebiet. Oft bildete die Natur mit Sumpf, Wasser und Urwald ein nahezu unzugängliches Gelände, das nur durch systematische Planung unter beachtlichem Arbeitsaufwand kulturell erschlossen werden konnte. So waren beispielsweise die Deichbau- und Trockenlegungsfähigkeiten der Siedler aus dem Niederrheingebiet sehr willkommen. Übrigens: Auch den für Brandenburg charakteristisch gewordenen Backstein haben sie ins Land gebracht. Die differenzierten Wirtschaftsmethoden der Siedler versprachen den Grundherren höhere Erträge und Abgaben. Träger der Siedlungen waren die Markgrafen und die wenigen Adligen der Mark, die auf eigene Rechnung unter dem Markgrafen Dörfer anlegten oder sich sogenannter Lokatoren bedienten. Aber auch die Kirche und die kirchlichen Orden. Die Anbaufläche wurde verdreifacht.

Otto I wurde vor allem als Klostergründer bekannt. 1183 (oder 1180) stiftete er das Zisterzienserkloster Lehnin in der Mark. Weitere noch heute existierende Klöster sind beispielsweise die bekannten Klöster Zinna (1170 gegründet) und Chorin. Gerade der Orden der Zisterzienser trug durch harte Arbeit viel dazu bei, das Land urbar zu machen. Der schon von Albrecht ins Land geholte Prämonstratenserorden hatte sich in den wieder- und neueroberten Gebieten inzwischen vom Partner zum Konkurrenten entwickelt, so daß schon Albrecht sich bemüht hatte, dessen Einfluß einzuschränken. Deswegen traten gesteuert durch Otto I die Zisterzienser die Nachfolge der Prämonstratenser an und prägten das Land fortan stark.

Ausgangspunkt für die stetige Ausweitung gen Osten blieb lange Spandau, das 1175 neu zur Burg ausgebaut wurde. Die noch heute dort zu findende und bis in den 2. Weltkrieg hinein genutzte Zitadelle gleich neben der Altstadt steht in etwa an der Stelle, an der schon die Burgen der Slawen, später der Askanier standen. Befestigte Stützpunkte nördlich von Spandau lassen sich in den heutigen Berlinern Bezirken Wedding, Reinickendorf und als Siedlungen der Templer in Rixdorf und Tempelhof nachweisen. Von Spandau aus erfolgten weitere Kriegszüge, z.B. 1180 gegen die Pommern.

Otto II, Enkel von Albrecht, herrschte von 1184 bis 1205, sein Bruder Abrecht II von 1205 bis 1220. Beide nahmen 1197/98 am Kreuzzug Kaiser Heinrichs VI. ins Heilige Land teil. Dabei werden sie stets zusammen mit den wichtigsten Reichsfürsten genannt, ein Indiz für den hohen Stellenwert, den die brandenburgischen Markgrafen im Reich genossen. Auch die Kolonisation in der Mark ging in großen Schritten weiter. Im 12. und im 13. Jahrhundert entstanden fast alle Städte der Mark, insgesamt etwa 100. Auch etwa 2500 und damit der größte Teil der heutigen Dörfer wurde in diesem Zeitraum angelegt. Insgesamt wurden etwa 200.000 Menschen in Städten und Dörfern an- oder umgesetzt, etwa 50.000 davon ist der Binnenwanderung innerhalb der Mark zuzuordnen.

Siegel von Markgraf Otto II mit Adlerschild und Lehnsfahne. Quelle: Werner Vogel, Berlin und seine Wappen, 1987 Berlin, Ullstein Verlag

Der Anteil der Slawen an der Gesamtbevölkerung betrug etwa ein Drittel. Durch bäuerliche Siedlung, Städte- und Klostergründungen erhielt die Mark ein deutsches Gepräge. Die Slawen wurden weder ausgerottet noch vertrieben. Es fand eine für die Epoche weitgehend friedliche, kulturelle Durchdringung statt. So wird beispielsweise 1247 bei der Gründung der Neustadt Salzwedel den Wenden die rechtliche Gleichstellung mit Bürgern deutscher Abkunft gewährt. Mitte des 14. Jahrhunderts, als sich die Zünfte Eintrittsbegehrenden immer stärker verschlossen, kam es aber zu Verboten, wonach Wenden weder den Zünften angehören noch Bürgerrecht erhalten konnten. In der Regel existierten wohn- und wirtschaftliche Gemeinschaften von Slawen und Deutschen. Noch heute bekannte Städte wurden oft auf alten Slawensiedlungen gegründet. Die wendische Sprache überlebte, trotz wiederholter Verbote, in weiten Gebieten der Mark bis in die Neuzeit. In einigen Dienstsiedlungen (Kietze) und am Rande des askanischen Markengebietes konnte die slawische Kultur auch darüber hinaus bis zum heutigen Tage bestehen, als Beispiel mögen die Sorben im Spreewaldgebiet dienen.

Der Slawe (links) zeigt durch seine Gebärdensprache, daß er der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Er ist durch die Wadenwicklung und den kürzeren Haarschnitt gekennzeichnet. Quelle: Der Sachsenspiegel. Bilder aus der Heidelberger Handschrift. Eberhard Freiherr von Künßberg. Insel Verlag, Leipzig, Insel-Bücherei Nr. 347

Die Erzbischöfe von Magdeburg erwiesen sich zunehmend als macht- und siedlungspolitische Konkurrenten, mit denen Albrecht und seine Nachfolger wiederholt zusammenstießen.

Albrechts Frau Mechthild regierte nach Albrechts Tod vorübergehend die Mark als Lehnsvormund ihrer zwei minderjährigen Söhne Johann I und Otto III. Die beiden regierten die Mark dann in beispielloser Eintracht von 1220/25 (offiziell ab 1231) bis 1266/67 gemeinsam. Sie erhielten den Beinamen "Die Städtegründer", da sie zahlreiche Städte in der Mark gründeten. So fällt in die Regierungszeit der beiden Markgrafen auch die erste urkundliche Erwähnung von Cölln 1im Jahre 237. Die Schwesterstadt des erst 1244 genannten Berlins lag auf einer Insel in der Spree, heute Berlin - Mitte. Ihr gegenüber am nordöstlichen Spreeufer lag das etwa doppelt so große Berlin. Aber auch Frankfurt und Bernau wurden das erste mal genannt, Spandau erhielt ebenfalls das Stadtrecht. Überhaupt sind im 12. und 13. Jahrhundert fast alle Städte der Markt entstanden (ca. 100) und der größte Teil der heutigen Dörfer angelegt worden.

1236 wurde auch das Land Stargard brandenburgisch. Schon 1231 übertrug Kaiser Friedrich II den gemeinsam regierenden Markgrafen die Lehnshoheit über Pommern. Um 1250 wurden die Lande Barnim und Teltow endgültig deutsch, ebenso Templin und die nördliche Uckermark. Um 1260 die Neumark (Terra transoderana) jenseits der Oder und 1253 bzw. 1303 die Lausitz.

Um (finanzielle) Unterstützung in einem schlesischen Erbschaftsstreit zu erlangen, trat Boleslaw der Kahle 1249 das Land Lebus jenseits der Oder zur Hälfte an das Erzstift Magdeburg ab. 1250 erwarben die Askanier die andere Hälfte. Für die Askanier war das Land wichtig für ihre Ostexpansion. 1252/1253 wurde der Besitz geteilt. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Askanier Frankfurt (1253) anscheinend ursprünglich gründeten, um der bedeutenden Stadt Lebus, die wohl zum Magdeburger Anteil gehörte, Konkurrenz zu machen. 1287 wurde der askanische Erich von Brandenburg Magdeburger Bischof, worauf ganz Lebus praktisch brandenburgisch wurde.

Beide Markgrafen galten nicht nur als einfache Hüter einer abgelegenen Grenzmark, sondern genossen im Reich größtes Ansehen. Seit 1157 gelang es den Askaniern zunehmend, Amtsrechte zu allodialisieren, sie also in Herrschaft kraft eigenen Rechts umzuwandeln. Wie den übrigen Großen im Reich gelang es auch den Askaniern, Amtsgüter, Lehen, Gerichtsrechte, eigene und verlehnte Burgen in einer Landesherrschaft zusammenzufassen, mit der Tendenz, dem deutschen König gegenüber möglichst unabhängig zu sein. Als um 1250 der Staufer Friedrich II starb, hatte dieser Territorialisierungsprozeß in Brandenburg seinen Abschluß erreicht. Von etwa 1258 an nahmen die Brandenburger Markgrafen zur Sicherung der Erbschaftsansprüche ihrer jeweiligen Kinder die Brandenburger Landesteilung (Ottonische und Johannische Linie) vor.

Siegel von Otto III und Johann I; Quelle: Bürger, Bauer, Edelmann – Berlin im Mittelalter. Ausstellungskatalog. Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Nicolaische Verlagsbuchhandlung. Berlin 1987, Seite 12

Otto IV, "Mit dem Pfeil", Sohn von Markgraf Johann I, regiert als Vertreter der Johannischen Linie von 1267 - 1308. Seinen Beinamen zog er sich bei einem Kampf zu, bei dem ihn ein Pfeil in den Kopf traf, dessen Spitze man lange nicht herausbekam. Neben ihm regierte Otto V, "Der Lange", Sohn von Otto III, als Markgraf von 1267-1298. Nach seinem Tode führt sein Bruder Albrecht III die ottonischer Linie der Markgrafenwürde fort (1283-1300), nach ihm Markgraf Hermann, Sohn von Otto V, aber der ältere Otto war bei Kaiser und Reich akkreditiert und wurde als eigentlicher Landesherr angesehen. 1307 wurde die Vereinigung der Schwesterstädte Berlin und Cölln vollzogen, die zusammen einen beachtlichen Machtfaktor darstellten. Unter Otto IV erreichte die Markgrafschaft ihre bis dahin größte Ausdehnung, sie reichte bei seinem Tod 1309 bis in pommersche und mecklenburgische Gebiete.

Otto IV beim Schachspiel mit seiner Dame; Miniatur aus dem sog. Codex Manesse um 1300; Quelle: Die Miniaturen der großen Heidelberger Liederhandschrift. Hrsg. I.F. Walther. Insel, Frankfurt, 1989

Otto IV und auch Hermann verstarben 1308. Ottos Sohn Waldemar (Woldemar) überfiel darauf die Feste Spandau und entführte Hermanns unmündigen Sohn Johann V aus der Hand seiner Vormünder. Auch wenn Johann V als Mitregent geführt wird, regierte Waldemar die Mark weitgehendst allein. Die askanische Markgrafschaft erreichte unter ihm ihre größte Ausdehnung. 1315 trat die Stadt Brandenburg (damals eigentlich noch unterteilt in Neustadt und Altstadt) der Hanse bei. Doch mitten auf der Höhe von Ruhm und Glanz kam unerwartet das Ende. Mitregent Johann V starb 1317, und Waldemar selbst im Jahre 1319, ohne einen Erben zu hinterlassen. Das machtvolle askanische Fürstenhaus war somit in direkter männlicher Linie erloschen.

Mit Waldemars erst 10 Jahre alten Vetter Heinrich dem Jungen (1319-1320) starben die Askanier in Brandenburg endgültig aus. Mit dem Fürstentum Anhalt konnten die Askanier übrigens zumindest an der westlichen Mittelelbe und im Nordharzgebiet bis 1918 wenigstens einen Teil ihres großen Erbes bewahren.

Die Mark fiel als erledigtes Reichslehen an das Reich zurück. Das Land war verwaist, eine kraftvolle Lenkung durch den Staat fehlte. Denn im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation führten Ludwig der Bayer aus dem Hause Wittelsbach und Friedrich von Österreich einen Bürgerkrieg um die deutsche Krone. Mecklenburg nutze die Chance und eignete sich Teile der Prignitz an. Die Pommern besetzten große Gebiete der Uckermark und polnische Truppen drangen in die Neumark ein. Die Mark wurde vom Herzog von Sachsen-Wittenberg, einem Verwandten der Askanier verwaltet. Ludwig der Bayer, der sich nach der Schlacht bei Mühldorf gegen seinen Kontrahenten durchgesetzt hatte, belehnte seinen minderjährigen Sohn Ludwig mit der Mark. Von 1324 bis 1370 hatten so bayerische Markgrafen die Gewalt über Brandenburg. Unter diesen relativ schwachen Markgrafen schwangen sich die einflußreichen Landstände mit den Landesfürsten zusammen zu Trägern der Landesherrschaft auf. Um das Jahr 1349 trat dann ein durch die anhaltinischen Askanier unterstützter, wahrscheinlich falscher Waldemar auf, der behauptete, er hätte seinen Tod nur vorgetäuscht. Nachdem er anfänglich großen Zulauf fand, konnte er sich letztendlich nicht lange halten. Böhmen erwarb 1320-50 die Ober-, 1368 die Niederlausitz. Und auch die Pest hielt in dem gebeutelten Land Einzug. Schwere Pestseuchen sind in Berlin für das Jahr 1348 verzeichnet.

Die bayerischen Markgrafen wurden 1373 durch die aus dem luxemburgischen Kaiserhaus abgelöst. Der von Kaiser Karl IV eingesetzte Sohn Sigismund sah in der Mark Brandenburg nur ein finanzielles Interesse und verpfändete Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren, der die Mark ebenfalls als finanzielles Ausbeutungsobjekt gebrauchte. Er verkaufte 1402 die Neumark an den Deutschen Orden. In der Mark herrschten unhaltbare Zustände. Das sog. Raubrittertum blühte, besonders die bis heute berühmt-berüchtigten Quitzows taten sich hierbei hervor, aber auch die Bredows.

1410 wurde Jobst von Mähren gegen den Widerstand Sigismunds zum deutschen König gewählt, doch bereits 1411 starb er. Der inzwischen zum deutschen Kaiser gekrönte Sigismund setzte 1411 (Belehnung 1417) im zum Kurfürstentum erhobenen Brandenburg den hohenzollernischen Burggrafen Friedrich IV von Nürnberg (Friedrich I von Brandenburg) als erblichen Statthalter ein. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern veräußerte Friedrich landesherrliches Eigentum nicht weiter, sondern löste sogar viele verpfändete Burgen und Städte wieder ein. So stärkte er nach und nach die Landesherrschaft und konnte gegen die Auswüchse der Landstände und Landesfürsten vorgehen. Auch gegen das Raubrittertum ging er konzentriert vor. Dazu setzte er, wie z. B. auf dem Feldzug vom Februar 1414, auch die damals noch sehr seltenen großen Pulvergeschütze ein, mit denen die Belagerungszeiten von Burgen stark verkürzt werden konnten, da sie am Mauerwerk großen Schaden anrichteten. So konnte er schließlich auch die in der Mark so mächtig gewordenen Quitzows unterwerfen.

Kaiser Sigismund belehnt Friedrich mit der Mark; Abb. 76 u. 77 aus Brosien, 1887

Auch sein Sohn Friedrich II (1440-70) verfolgte, wie seine Beinamen "Der Eiserne" oder auch "Eisenzahn" schon erahnen läßt, die Politik seines Vaters weiter. Er schränkte die Macht der Landesstämme ein und unterwarf die bis dahin autonomen Städte. Am Ufer der Spree entstand dann auch 1443-1451 das erste Berliner Stadtschloß, von den Berlinern als Zwingburg verhaßt. 1450 wohnten in Berlin-Cölln schon rund 8.000 Menschen. 1455 gewann Friedrich II die Neumark zurück. Darauf erwarb er die Herrschaften Cottbus und Peitz, wodurch Brandenburg eine neue Ausdehnungsrichtung nach Schlesien gegeben wurde.

Unter seinem Bruder Albrecht Achilles (1470-86) wurde Berlin zum Regierungssitz des Brandenburgischen Kurfürsten erklärt, dieser hielt sich jedoch zunächst nur selten dort auf. Sein Sohn Johann(es) Cicero (1486-99) residierte dann schon ausschließlich in Berlin. Auch er setzte nachdrücklich seine Landeshoheit über die Städte der Mark durch. Sein Sohn Joachim I (1499-1535) tat sich durch die Schaffung einer einheitlichen Rechtsprechung in Brandenburg (Constitutio Joachimica) hervor. Auch die Gründung der Universität "Alma mater Viadrina" in Frankfurt an der Oder fällt in seine Regierungszeit.

Als Kurfürst folgte ihm Joachim II (1535-71), der 1539 nach kursächsischem Vorbild die Reformation in Kurbrandenburg einführte. Berlin wurde zu einer Metropole des Protestantismus. 1576 forderte die Pest in Berlin rund 4.000 Tote. Trotzdem besaß die kurfürstliche Residenzstadt Berlin zu Beginn des 17. Jahrhunderts immerhin schon wieder 10.000 Einwohner.


Johann Sigismund (1608-19) erwarb 1618 das Herzogtum Preußen. Doch in den Wirren des dreißigjährigen Krieges (1618-48) war Brandenburg der Verwüstung und Ausbeutung preisgegeben. Viele Ortschaften wurden dem Erdboden gleichgemacht, fielen in die Bedeutungslosigkeit zurück oder verödeten bis zum heutigen Tage. Der Bevölkerungsverlust ist auf fast 50% zu veranschlagen. Auch Berlin erlitt einen furchtbaren Rückschlag, die Einwohnerzahl sank auf 6.000. Erst unter dem "Großen Kurfürst" Friedrich Wilhelm (1640-88) erholte sich das Land wieder. Der Name Preußen ging nun auf den brandenburgisch-preußischen Gesamtstaat, die Geschichte Brandenburgs in diejenige Preußens über. Der Aufstieg zur europäischen Großmacht begann, aber dies ist eine andere Geschichte.

Joachim Meinicke, 2001

Quellen (Auszug):

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Ludewig, Albert; Die Spandauer Zitadelle; Buchhandlung am Markt

Die Mark Brandenburg - Heft 16: Ritterorden und Ordensritter in der Mark Brandenburg; Lucie Großer Verlag

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Michael Hofmann; Berliner Ur&Frühgeschichte; Märkisches Museum Berlin

Dr. Gerd Heinrich (Hrsg.); Handbuch der historischen Stätten Deutschland: Berlin Brandenburg; Alfred Kröner Verlag; Stuttgart 1995

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Schulz, Rainer; Barnim und Uckermark – eine Burgenlandschaft; Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Märkischen Eiszeitstraße e.V.; Eberswalde 1999

Scheuch, Manfred; Historischer Atlas Deutschland; Weltbild Verlag; Augsburg 2000

Pestalozzi-Verein der Provinz Brandenburg (Hrsg.); Die Provinz Brandenburg in Wort und Bild; Verlag Julius Klinkhardt; Berlin 1900

Adriaan von Müller; Edelmann... Bürger, Bauer, Bettelmann – Berlin im Mittelalter; Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung; 1979 Berlin

Dr. Hermann, Brosien; Das Wissen der Gegenwart - Preußische Geschichte - Geschichte der Mark Brandenburg; Greßner & Schramm; Leipzig 1887

Werner Vogel; Berlin und seine Wappen; Ullstein Verlag; Berlin 1987

Eberhard Bohm; Das Land Lebus und seine Vogteien westlich der Oder; aus Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands - Band 25; W. Berges, H. Herzfeld, H. Skrzypczak (Hrsg.); Colloquium Verlag; Berlin 1976

Uwe Michas; Mit Fehde, Pfand und Schwert - Die Quitzowzeit in der Mark Brandenburg; Lucie Großer Edition - Marika Großer Verlag Berlin; Berlin 2002

 

 

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